CRISPAT


Auszug aus dem Fantasyprojekt  Isabella Reitmann und das Ei des Kolumbus

 

Flüsternde  Ritter  

„Wieso hast Du Gummistiefel und eine Regenjacke an? Draußen sind es bestimmt 28 Grad!“

Isabella ignorierte den verwirrten Blick ihres Großvaters, er würde ohnehin gleich in seinem Lesesessel über der Tageszeitung einschlafen und sich danach nicht mehr an diesen ungewöhnlichen Moment erinnern können. „Ich wollte nur mal sehen ob mir die Sachen noch passen. Deine Zeitung liegt auf dem Tisch Opa, ich bring Dir gleich Deinen Tee.“ Kopfschüttelnd schlurfte ihr Großvater ins Wohnzimmer davon.

Isabella besuchte gern und oft ihre Großeltern, und seit sie letzten Winter 14 geworden war, durfte sie auch alleine zu ihnen fahren. Diese große Freiheit genoss sie sehr, umso mehr, da sie in dieser Zeit ihren nervigen, 4 Jahre jüngeren Bruder Erik nicht um sich hatte. Ihre Oma war eine sehr rüstige alte Dame und ging jeden Nachmittag ihrem Hobby, dem Minigolfen, nach. Sie kam dann meist erst spät abends nach Hause, und war eigentlich immer guter Laune. Ihr Opa dagegen war seit seinem Rentnerleben sehr ruhig geworden, er arbeitete früher als Pilot und die geistigen Herausforderungen schienen ihm zu fehlen. Die meiste Zeit saß er in seinem Sessel und las oder hörte Radio. Selten ging er vor die Tür und noch seltener sagte er etwas. So unscheinbar er aber auch wirken mochte, Isabella hatte schon öfter den Verdacht, dass ihrem Opa eigentlich nicht wirklich etwas entging. Irgendwie war er immer auf dem neuesten Stand der Dinge, nur sagte er nie etwas dazu. Das konnte Isabella nur recht sein. Zumindest hatte sie bei ihren Großeltern ein sehr angenehmes und ruhiges Leben, keiner verlangte etwas von ihr, niemand kontrollierte sie und im Gegenzug hielt sie sich auch an die wenigen Abmachungen. Pünktlichkeit, Höflichkeit und Ehrlichkeit. Das war die goldene Dreierregel im Hause Reitmann.

 Isabella atmete einmal tief durch. Also gut, sagte sie sich, diesmal werde ich nicht kneifen und ich werde es finden. Ich weiß dass ich das schaffen kann.

Mit einem Regenschirm in der einen und einem großen alten Lederreisekoffer in der anderen Hand stieg sie die Treppen zum Dachboden hinauf. Die Holzdielen unter ihren Füßen ächzten und je höher sie ging desto intensiver wurde der vertraute Duft von Staub, altem Leim und Farbe. Sie erklomm die letzten Stufen und kramte nach dem Schlüssel für die kleine Holztür zum Dachboden in ihrer Jeans. „Oh bitte, nun komm schon. Ich hab dich doch eingesteckt.“, sie ertastete in ihrer Hosentasche ein Sturmfeuerzeug, Kaugummis und ein kleines Notizbüchlein, dahinter fühlte sie endlich den Schlüssel. „Na also!“, lächelte Isabella triumphierend, öffnete die Tür und setzte den schweren Koffer auf dem Speicherboden ab. Als sie die Tür hinter sich schließen wollte, schoss etwas Graues an ihr vorbei die Treppen hinunter. Scheppernd flog ihr Schirm hinter her. „Verdammt! Archimedes, du dummer Kater, warst du etwa seit dem letzten Mal hier oben?“ Ohne ihren Regenschirm geholt zu haben ließ sie nun endgültig die Tür ins Schloss fallen und drehte sich dem großen Raum zu. Durch zwei kleine Fenster fiel Sonnenlicht ein und zeigte Staubkörnchen funkelnd in der Luft tanzen. Ringsum waren an den Wänden eine Unmenge abgedeckter Bilder gelehnt und in der Mitte stand ein altes Sofa im unmodernen Blümchenmuster. Knapp zwei Meter davor stand eine leere Staffelei. Staub Wie bedeckte den Boden wie eine dünne Schneedecke. Es war unglaublich warm, und Isabella schwitzte in ihrer ungewöhnlichen Schlechtwetterkleidung. Sie packte ihren Koffer auf die Couch und machte sich daran die Gemälde zu durchforsten. Eines nach dem Anderen hob sie kurz das Abdecklaken an und lugte darunter, bevor sie es wieder gut zugedeckt zurück lehnte. „Na komm schon, wo bist Du? Ich finde Dich ja doch.“, murmelte sie vor sich hin. Ihre Gummistiefel hinterließen klobige Abdrücke auf dem Boden und gaben quietschende Geräusche von sich. Nach zehn weiteren Minuten nahm sie eines der Gemälde und stellte es abgedeckt auf die Staffelei. Scheinbar unentschlossen stand sie vor dem Bild und überlegte. „Also gut, alles da was ich brauche? Notizbüchlein, Benzinfeuerzeug, Stift, aah in meiner Jacke, gut. Dann wars das also oder?“ Isabella band ihre roten Locken noch einmal zu einem festen Haarknoten zusammen und zog das Leinentuch runter. Sie überprüfte den Sitz ihrer Kleidung und blickte auf das Gemälde. Es zeigte eine raue Felsenlandschaft die einen See umrahmte. Es schien ein heftiger Sturm zu wehen, das Wasser wirkte aufgewühlt und der Himmel war düster. Ein kurzer Steg aus Felsbrocken ragte in den See hinein. Es machte den Eindruck eines richtigen Unwetters und konnte einem leicht aufs Gemüt schlagen. Isabella holte tief Luft, kniff die Augen zusammen und sprang in das Bild hinein. Im selben Moment war Isabella aus dem Dachboden verschwunden. Nur das Bild war noch da, und das Sofa und der Koffer.

 

Isabellas Stiefel schlugen hart im Wasser auf und sie musste den Schwung mit den Händen abfangen. Sie landete auf dem Felsensteg, der Sturm spülte stetig Wasser über die Steine und sie wurden glitschig. Vorsichtig stand sie auf und ging zum kargen Ufer. Irgendwann breche ich mir noch etwas, dachte sie und marschierte los. Sie umrundete den See und hielt dabei den Kragen hochgeklappt, der Sturm war stärker als gedacht. Weit und breit war keine Menschenseele zu sehen. Sie kam an einen Fels der besonders hoch aus dem Wasser ragte, unmittelbar am Ufer. Isabella zog das kleine Notizbuch heraus und blätterte darin. Beinahe hätte der Wind es ihr entrissen, doch sie fand die richtige Seite und murmelte:“ Bruder Stein ich komme in Freundschaft und im Auftrag des großen Drachen. Gewähre mir Einlass und sicheres Geleit. Sieh in mein Herz und zeige mir den rechten Weg. Bruder Stein ich danke Dir.“ Hastig steckte Isabella das kleine Buch wieder ein bevor es komplett durchnässte und starrte erwartungsvoll auf den Felsen. Eine kleine Ewigkeit schien gar nichts zu passieren, als plötzlich ein blau leuchtender Riss sichtbar wurde. Er zischelte und schlängelte sich auf dem Stein und sah aus wie ein Torbogen. Langsam kam sie näher und streckte vorsichtig die Hand aus. Doch dort wo sie den Felsen hätte spüren müssen war nichts zu fühlen, obwohl sie den Felsen noch immer sah. Zögerlich ging sie darauf zu und schließlich ganz hinein. Isabella spürte sofort eine wohlige Wärme und auch das Tosen des Sturms war nicht mehr zu hören. Nur ein leises Flüstern schien aus den Felswänden um sie herum auszugehen. Es war nicht bedrohlich, eher beruhigend und mit jedem Schritt den sie ging fühlte sie ihre Haare und Kleidung trocknen. Isabella folgte dem Gang und an jeder Abzweigung orientierte sie sich an dem Flüstern. Es war als wollten die Stimmen ihr den Weg weisen. So ging sie weiter in den Fels hinein und ohne es zu merken auch immer tiefer bergab. Bald war sie in einer großen Halle angekommen. Hier schienen die Wände zu glimmen, an den Säulen verteilt im Raum hingen steinerne Fackeln an deren Ende blaues Feuer brannte. Es verströmte angenehme Wärme und genügend Licht um die kunstvollen Verzierungen an den Säulen erkennen zu lassen. Es waren Symbole die Isabella noch nie zuvor gesehen hatte und sie bewegten und veränderten sich stetig. Als würde man auf einem Bildschirm etwas lesen dachte sie. Alles hier wirkte einfach nur wundervoll und stimmig. Unsicher was sie nun tun sollte blieb sie eine ganze Weile so in der Halle stehen und sprach keine einziges Wort. Das Flüstern war verschwunden und Isabella hatte das Gefühl etwas sagen zu müssen, doch was? Hallo da bin ich? Das schien ihr sehr unpassend. Außerdem wusste sie nicht einmal so recht wer hier lebte. Elfen? Feen vielleicht? Oder Gnome? Oder gar irgendetwas Gruseliges und Ekeliges? Sie hatte nur die Aufgabe bekommen hierher zu kommen und der Rest würde sich dann schon finden. Nun, da war sie also. Und während sie da so stand und ihren Gedanken nachging hörte sie eine sehr tiefe brummelige Stimme hinter sich:“ Das ist ja zum Steine erweichen! Kannst Du kleines dummes Menschenkind nicht mal für fünf Minuten den Mund halten? „. Isabella drehte sich um und sah zu ihrem eigenen Erstaunen einen Zwerg auf sich zukommen. „Ich habe doch gar nichts gesagt. Nicht ein Wort.“, gab sie leicht trotzig zurück. „Kein Wort? So? Und was ist mit Feen? Elfen? Gruselig und Ekelig? Hä?“, der Zwerg war mittlerweile an ihr vorbeigegangen, stapfte zu einer der Säulen und zeigte mit seiner Spitzhacke darauf. „Hier steht’s doch. Jedes Wort. Also widersprich mir gefälligst nicht dummes kleines Menschenkind!“ Das ging Isabella langsam auf die Nerven, dass sie klein und dumm genannt wurde, und dass von jemandem der gerade mal so groß war wie eine Mülltonne und nicht mal den Unterschied zwischen Denken und Sprechen kannte. Geschweige denn den Anstand besaß sich vorzustellen, falls er überhaupt einen Namen hatte. Sie holte gerade Luft um ihm das zu erklären da donnerte der Zwerg:“ Grad mal so groß wie eine Mülltonne?! Was fällt dir ein Menschenkind? Was glaubst Du denn wen Du vor Dir hast dass Du so mit mir reden kannst?!“ Isabella verstand die Welt nicht mehr. Konnte dieser unfreundliche Zwerg etwa ihre Gedanken lesen? „Ja kann er. Und ja er hat einen Namen, aber den werde ich Dir nicht verraten! Und wer hier dumm ist sieht man ja wohl. Weiß nicht mal dass Steine Gedanken lesen können. Ts ts ts. Aber über einen Zwerg schimpfen, Menschenkinder, alle gleich.“ Isabella stand wie vom Donner gerührt da und versuchte keinen einzigen Gedanken zu denken. Im Geiste sprach sie sich selbst zu und ermahnte sich an nichts zu denken. Bloß nicht an etwas denken, an nichts, rosa Elefanten. Verdammt! Isi, Du darfst an nichts denken hörst Du? Prompt fielen ihr die banalsten Dinge ein. Gänseblümchen und Kirschtorte. Mist! Lakritzstangen, alte Tennissocken, die Glitzerluftpumpe ihres Fahrrades. „Na Menschlein, hast Du bald allen Blödsinn in Deinem Kopf durch?“ Zum ersten Mal sah Isabella den Zwerg grinsen und gleich wirkte er viel freundlicher, ja sogar richtig nett. „Entschuldige bitte, “, fand sie ihre Sprache wieder, “Ich verstehe noch nicht sehr viel von alle dem hier. Ich war noch nie in einem Stein und einen Zwerg habe ich auch noch nie zuvor gesehen. Aber ich kann doch nicht kontrollieren was ich denke! Wie soll das denn gehen? Und wieso können Steine Gedanken lesen? Und was auf der Säule alles steht kann ich auch nicht lesen.“ Sie hatte sich gerade in Fahrt geredet, da hob der Zwerg abwehrend die Hand und zeigte auf ein paar steinerne Hocker hinter der nächsten Säule, „Setz Dich Menschenkind. Ich will versuchen Deine Fragen zu beantworten. Und ein kleiner Tipp, wer aufmerksam zuhört, dessen Gedanken sind still.“ Er zwinkerte Isabella freundlich zu und beide setzten sich. „Sieh mal, hast Du Dich nie gewundert warum Menschen wenn sie einen Stein in der Hand halten oder auf einem Felsen sitzen sehr still und nachdenklich werden? Sie sind dann immer ganz in Gedanken vertieft, wälzen ihre Probleme, weinen sich aus oder kommen endlich auf eine lang gesuchte Lösung. Das ist so weil Steine sich über Gedanken austauschen, sie lesen und reden in Gedanken. Untereinander und auch mit den Menschen.“ Isabella blickte ihn verblüfft an, „Aber ich habe noch nie einen Stein reden hören. Nicht in meinem Kopf oder außerhalb davon.“ Der Zwerg lachte, “ Ja, das Zuhören haben die Menschen im Laufe der Zeit verlernt. Aber man kann es wieder erlernen wenn man will. Schließlich hast Du doch auch den Stein gehört der Dich in diese Halle geführt hat oder?“ Isabella erinnerte sich an das Flüstern.“ Ja, aber ich habe es nicht richtig verstanden. Es war mehr ein Gefühl dass ich den Stimmen folgen sollte. Und warum liest Du meine Gedanken auf den Säulen?“ Der Zwerg holte aus seiner alten geflickten Lederweste zwei kleine unförmige Klumpen heraus und reichte eines davon Isabella. „Nun, Du wirst sehen, mit der Zeit wird aus dem Flüstern eine klare Stimme werden. Da, nimm. Schmeckt gut. Das ist Groggelkäse, selbstgemacht. Wo war ich stehen geblieben? Ach ja, die Säulen. Siehst Du, der Stein liest Deine Gedanken und zeigt sie auf den Säulen in meiner Schrift. Daher stammt auch der Begriff „Gedanken lesen“, man sagt ja auch nicht Gedanken hören oder?  Zwerge und Steine sind eng miteinander verbunden. Wir helfen und schützen uns gegenseitig. So. Nun aber genug gequasselt, wir haben noch etwas zu erledigen nicht wahr?“ Der Zwerg ging Richtung Tunnel davon und nahm unterwegs eine der blauen Felsenfackeln mit. Isabella sprang auf und folgte ihm, schnüffelte dabei an ihrer Groggelkäsekugel und rümpfte die Nase. Um den Zwerg nicht zu verärgern steckte sie den Käse ein. „Und warum willst Du mir nicht Deinen Namen verraten? Ich heiße….“ Der Zwerg blieb abrupt stehen und drehte sich zu ihr. Prompt lief Isabella in ihn rein. „Autsch. Pass doch auf! Und sag niemals Deinen Namen, außer Du vertraust der Kreatur absolut. Namen sind viel mächtiger als ihr Menschen euch das vorstellen könnt. Und der Name eines Zwerges ist mehr Fluch als Segen. Wer ihn kennt, kann den Zwerg jederzeit zu sich rufen. Und deshalb werde ich ihn weder Dir noch sonst jemanden verraten. Alles klar?“ Aus Angst er könnte wieder ihre Gedanken lesen traute Isabella sich kaum zu denken was sie fühlte. „Verstehe“, murmelte sie leise. Damit schien der Teil des Unterhaltens für den Zwerg erledigt und beide marschierten weiter und tiefer in den Fels hinein. Der Zwerg dabei darauf bedacht den Weg gut auszuleuchten und Isabella schwer darauf konzentriert nicht zu denken. Schließlich hatte er nicht erwähnt ob er auch ohne diese Säulen ihre Gedanken irgendwo an den Felswänden würde lesen können.

Beide gingen tiefer in den Fels hinein und Isabella kam es vor als wären sie schon Stunden unterwegs. Aber die Zeit verhielt sich anders wenn sie in ein Gemälde sprang, das hatte sie bei ihrer ersten Bilderreise gelernt. Während man in den Gemälden das Gefühl hatte es wären Stunden oder sogar Tage vergangen, war in der Welt außerhalb der Bilder keine Sekunde vergangen. Wann immer sie zurück käme, es würde sein als wäre sie nie weg gewesen.

„Nun kleines Menschenkind, wir sind da. Ich hoffe Du hast an Feuer gedacht? Ich frage mich schon die ganze Zeit wo Du es wohl versteckt haben magst?“ Isabella und der Zwerg standen in einer Sackgasse. Der Tunnel endete und beide standen vor einer massiven Felswand. Sie kramte in ihrer Jeans nach dem Sturmfeuerzeug, „Hier ist es. Besser gesagt hier wird gleich eine kleine Flamme erscheinen sobald ich es benutze. „ Der Zwerg starrte ungläubig auf das kleine metallene Viereck in Isabellas Hand. „Ihr Menschlein seid schon ein komisches Völkchen. Verpacktes Feuer. Was es nicht alles gibt.“ Kopfschüttelnd zog er ein recht mitgenommenes Pergamentröllchen aus seiner Weste und hielt es Isabella entgegen. Sie zündete das kleine Papier an und gleich darauf rüttelte es in dem ganzen Fels als gäbe es ein Erdbeben. „Warum müssen magische Wesen immer so einen Krach machen wenn sie Feuer sehen?“ fragte Isabella nervös. „Na ganz einfach, weil wir nur unser magisches Feuer haben. Das ist prima um zu leuchten und zu wärmen, aber die Kraft von Menschenfeuer, etwas komplett zu verbrennen hat es nicht. Mit einem einfachen Satorzauber ist es auch schon wieder gelöscht. Oder es kann gar nicht erst die Dinge anfackeln wenn sie mit diesem Feuerabwehrzauber versiegelt sind. „leuchtete sie der Zwerg an. Die Pergamentrolle war fast komplett verbrannt als sich aus dem Boden eine steinerne Truhe empor schob. „Na dann viel Vergnügen damit.“, sagte Isabella und reichte das brennende Papier dem Zwerg. Dieser holte aus der Truhe eine Holzfackel und steckte sie in Brand. „Vergnügen werden diese widerlichen Kreaturen haben wenn sie es wagen sollten uns anzugreifen. Dank Dir sind wir nun in der Lage uns zu verteidigen, falls der Erddrache unterliegen sollte und es zu einem Krieg kommt. Und glaub mir Menschlein, es wird Krieg geben.“ Fast andächtig bewunderte er die Flammen der Fackel und zeigte mit seiner Spitzhacke auf die Steintruhe. Isabella ging in die Hocke und nahm einen kleinen Stein heraus. „Das also ist es?“, fragte sie verwundert. Der Stein kam ihr nicht gerade magisch vor. Es war ein ganz normaler runder Kieselstein. Nicht viel größer als eine Kirsche. „Ja doch, das ist es. So Menschlein, ich muss jetzt unbedingt weiter. Kann nicht den ganzen Tag hier rum stehen und Dir die Welt erklären. Ich Muss die Flamme unbedingt zu unserem Dorf bringen. Hör einfach auf das Flüstern und Du wirst den Weg alleine raus finden. Und dass Du mir nur ja auf den  kleinen Schatz in Deinen Händen acht gibst!“ Ohne Abschiedsworte stapfte der Zwerg davon und lies Isabella und den kleinen runden Stein in ihrer Hand zurück. Na dann, dachte Isi sich, werde ich mal zusehen dass ich wieder rauskomme. Schon begann wieder das Flüstern um sie herum. Sie folgte den Stimmen und ging den Tunnel entlang, an jeder Abzweigung konzentrierte sie sich sehr auf das Gemurmel um nicht den falschen Weg zu nehmen. Isabella war so fasziniert von der Möglichkeit mit Steinen reden zu können, dass sie versuchte einzelne Worte zu verstehen, aber es gelang ihr nicht. Egal wie viel Mühe sie sich auch gab, es blieb ein unverständliches Flüstern. Sie durchquerte wieder die Halle und stand schließlich vor einer Felswand. Unsicher ob sich der Ausgang von alleine öffnen würde, kramte sie in ihrer Jeans nach dem Büchlein mit den Zauberformeln. „Auf Wiedersehen Isabella Reitmann. Menschenkind mit dem starken Herzen.“ Isabella hätte vor Schreck beinahe laut aufgeschrien, als sie eine wunderbar sanfte Stimme glasklar in ihrem Kopf hörte. „D..Danke. War schön bei dir, ihnen..äh..Frau oder Herr Stein?“  Ein Lachen wie von tausend Kindern schallte in ihrem Kopf, „Nenn uns einfach flüsternder Ritter. Und zwar jeden von uns, egal wo du uns findest. Bleib tapfer Menschenkind.“ Danach war es absolut still, nur das zischen und knacken hörte sie als der Fels vor ihr wieder seine Öffnung frei gab.

Isabella kehrte zurück an den Steg auf dem sie gelandet war. Das Wetter hatte sich kein bisschen beruhigt und es wurde höchste Zeit, dass sie nach Hause kam. Völlig durchfroren und mit nassem Haar stand sie kerzengerade auf den Steinen, und schrie gegen den Wind: „ Odac Dara Arad Cado!“ Und als würden unsichtbare Hände sie an ihrer Regenjacke packen, wurde Isabella rasend schnell, steil nach oben gezogen. Um sie herum wurde es für eine Sekunde dunkel und mit einem Ächzen der Sprungfedern fiel sie mit Schwung auf das Blümchensofa im Speicher ihrer Großeltern. Völlig außer Atem wischte sie sich die nassen Haare aus dem Gesicht. Noch bevor sie ihre Regenjacke auszog, fischte sie den Stein aus ihrer Hosentasche und besah ihn sich genauer. „Hörst du mich?“, fragte sie leise den Stein und kam sich dabei einigermaßen albern vor. Aber es kam keine Antwort zurück. „ Hm. Funktioniert wohl doch nicht mit jedem Stein.“, murmelte Isabella und öffnete den Reisekoffer neben sich. Darin befanden sich allerlei Merkwürdigkeiten. Viele unterschiedliche Steine, ein Fernrohr wie aus einem alten Piratenfilm,  ein paar vergilbte lose Papiere und eine Tabakpfeife, mit einem sehr langen und filigranen Mundstück. Sie legte den Stein dazu und machte sich daran das Bild auf der Staffelei abzudecken und lehnte es wieder an die Wand. Mit einem prüfenden Blick im Zimmer verschloss sie den Koffer und ging die runter in ihr Zimmer.

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